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Klang - Spiel - Raum Ausstellung |
Automatisches Maschinenorchester
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Klang-Spiel-Raum-Info.pdf
Ein Text von Melanie Uerlings - Berlin 20.01.2006
-- erschienen in "Positionen" - Beiträge
zur Neuen Musik, Heft 66 /
Februar 2006 Das Waschmaschinenprogrammscheibenorchester, das O-Tonbuffet, vielerlei Klangkästen, ein Scherengitterorchester, Schwirr und Zeiger, die Murmelzither , luftige Tontöne, Klangtransporter, Würfelräder... Interaktive Skulpturen, Objekte, Installationen und Instrumente von Erwin Stache waren im Dezember 2005 im Dachgeschoß des Specks Hofes in Leipzig ausgestellt. Die kleine Werkschau des Musikers und Klangkünstlers mitten im Zentrum Leipzigs zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Den »Klang - Spiel - Raum« eroberten sich Junge und Alte, Musiker und Laien gleichermaßen mit großem Vergnügen.
Eingangs zählte das Maß an Kilo-Ohm für das an musikalischer Erleuchtung. Klavier - virtuos (2004), eine interaktive Skulptur, deren Stahlrohre als Messfühler dienen, konnte durch das verbinden dieser Fühler mit beiden Handflächen zum klingen gebracht werden. Je nach Größe der Berührungsfläche und Stärke des Händedrucks änderten sich der Widerstand wie der Stromfluß und damit mikrorechnergesteuert auch die Tonhöhen und die Geschwindigkeit der Klangfolgen. Nur leidenschaftlich zupacken für entsprechendes Pathos - der Mikrocontroller erlaubte es.
Schwirr
und Zeiger (1990/91), Murmelzither (1989) und Scherengitterorchester (1999/2003)
ließen da zunächst verharren. Sie bildeten ein scheinbar autonomes
Ensemble, mit Kalkül Neugier weckend. Sobald ihre Bewegungssensoren Publikum
meldeten, drehte sich hier ein Zeiger, dort pendelte ein Stab und da rollte
die Murmel und fiel hüpfend zwischen »zithernde« Saiten. Die
hölzernen Scherengitter - einst für die flexible Aufhängung von
Garderobe gedacht, nun modifiziert und midigesteuert - begannen ein hehres Spiel
der Automatik. Ihre ziehharmonikaartigen Bewegungen, das Dehnen und Strecken
um ihre Ankerpunkte, beeinflußen mit Hilfe eines Rechnerprogramms Steuerdaten
zur Generierung und Modellierung digital erzeugter Klänge. Ob der Verknüpfung
der visuellen und akustischen Elemente ihres »Habitus«, stand der
Besucher ihnen etwas verwundert, doch freudig schmunzelnd gegenüber. Tönerne
Pflanzentöpfe, umgestülpt je auf einem Stativ befestigt, mit einem
Klöppel versehen und in ein elektro-mechanisches System gebunden, bildeten
gleichsam das Patronat, wenn das Publikum über den Dachgarten in das zweite
Ausstellungsareal gelangen wollte. Hier, andächtig unter freiem Himmel,
läuteten ihm behutsam Erwin Staches Kompositionen für Tontöne
(2002).
Ganz in schwarz, doch in verschiedenen Modi konzipiert erwarteten schließlich
viele kleine Klangkästen den Besucher. Öffnet er ihre Deckel sind
Klänge, Geräusche, Stimmen und gesprochene Texte zu vernehmen. Eine
Spieldosenidee, die Stache bereits 1994 aufgriff und stetig weiter variierte
und entwickelte. Der Neigungswinkel des Deckels kann beispielsweise die Tonhöhe
und die Geschwindigkeit der wiedergegebenen Tonaufnahmen regeln oder die Wahl
eines Senders
(Radiokasten) bestimmen. Ist hier das ganze Soundequipment in Kästchen
verborgen, wird es dort gleich auf einen Karren geladen: Mit Midi-Rollern (2001),
Elektronik, Soundmodul und Lautsprecher konnte der Besucher »Klavier spielend
« durch die Ausstellung fahren, seine Schnelligkeit und Richtung wurden
dabei auf einfache musikalische Parameter übertragen. Aber Stopp! an dem
Würfelrad (2001): Über ein Mikrophon wird hier Audiomaterial gesammelt
und quasi für ein DJ-Set »gesampelt«, in Sequenzen zerlegt
und »geloopt«. Ein Handrad kann bedient werden, das die Wahl der
Fragmente bestimmt, während eine hexaduale Anzeige den Stand der Dinge
verrät. Dieses Instrument forderte
kreative Stunden heraus, wären
da nicht noch das O-Tonbuffet (1995) und das Waschmaschinenprogrammscheibenorchester
(2002) gewesen...
Erwin Staches Heimspiel ist gelungen, die Besucher waren zahlreich und begeistert. »Klang - Spiel - Räume«, Kunst, welche die Sinne schärft, den Geist weckt, zu neuen Entdeckungen führt und soziale Interaktion fördert - seit vielen Jahren trägt Erwin Stache dieses Vermögen auch in Kinder- und Jugendprojekte, unermüdlich aus seinem Fundus schöpfend.
Fotos : Erwin Stache